Madrabours Eck

Sächsische Schweiz - Die Ausrufezeichentour


Die erste Frage, die sich die meisten jetzt wahrscheinlich stellen ist: Warum heisst das Teil 'Ausrufezeichentour' ? Nein, der Grund sind nicht (nur) die Ausrufezeichen hinter den Entzückens- und Spannungsbekundungen. Auch geflucht wurde wenig... eigentlich gar nicht, also auch hier keine Ausrufezeichen. Diese kleinen und netten Satzzeichen verbergen sich auf der Wanderkarte der Sächsischen Schweiz - Schrammsteine Affenstein von Rolf Böhm. Neben einem irgendwo verstecktem Männlein (welches auch auf den meisten (allen?) anderen Karten von Rolf Böhm zu finden ist) gibt es dort Ausrufezeichen. Und diese stellen nicht besonders tolle Ausblicke dar, sondern schwierige Stiegen. Eben diese Ausrufezeichen sind wir auf unserer Tour abgewandert. Und zwar ALLE (*angeb*) auf der Karte befindlichen, wenn wir keine übersehen haben.
Die Ausrufezeichen gibt es an der Rübezahlstiege, der Zwillingstiege, der (frisch restaurierten) Häntzschelstiege und zum guten Schluss noch die Starke Stiege. Bevor ich nun zur eigentlichen Schilderung der Tour komme, möchte ich noch meinen herzlichsten Dank an Rolf Böhm für die weltbesten und hypergenialsten Wanderkarten die es gibt aussprechen. Danke! Danke! Danke!

PS: Das bärtige Monster mit der roten Jacke auf den Fotos ist übrigens kein sächsischer Verwandter des Yeti, sondern der einzige Bruder meines einzigen Bruders...

Die nun folgende Tour sollte man nur machen, wenn man halbwegs schwindelfrei ist und wenig bis keine Höhenangst vorweisen kann:
Los gehts in Schmilka (Schmilgaa - die Zauberhafde Glainstadd in der schöööönen säägs'schn Schwaiiz - gesungen zum Milka-Werbelied). Am Anfang gehts immer bergauf Richtung Heilige Stiege. Vom Pfad der zu dieser Stiege führt, geht dann der Weg zur Rübezahlstiege rechts ab.
Noch lanchend und trinkend, aber der Einstieg zur Rübi ist noch nicht gefunden...
Auch mit der Karte von Rolf Böhm ist nun ein wenig Sucharbeit angesagt, da der Einstieg zur 'Rübi' nicht ganz leicht ist.
Wenn man ihn endlich gefunden hat, ist das erste mal 'Klettern' angesagt. Grade der erste Felsen hat zumindest mich ein wenig Überwindung gekostet. Wieder spannend wirds im Kamin (einer schönen Felshöhle), da hier ein paar der eisernen Steighilfen abgesägt sind. Am besten, man klemmt sich dort mit dem Rücken zur Wand und den Füßen nach vorn hinein und arbeitet sich langsam nach oben, bis man die nächste Steighilfe erreichen kann. Wenn man aus dem Schacht herauskommt und man damit das erste Ausrufezeichen überwunden hat, gehts dann mit nur noch wenig 'Aufwand' weiter, bis man schliesslich zum Reitsteig kommt. An dieser Stelle möchte ich noch eine kurze Anekdote berichten: Als ein paar Kumpels und meine Wenigkeit zum ersten mal die Rübezahlstiege besucht haben, kamen wir von oben. Als wir an der Stelle ankamen, an dem der Kamin von unten kommt, dachten wir erstmal 'Huch, wie gehts jetzt weiter?', da der Fels auf einmal steil nach unten abfällt (wäre also nur was für echte Kletterer). Zum Glück hörten wir plötzlich aus einem Loch am Boden von unten Stimmen und wussten 'Aha... durchs Loch'. ;)


Ja wo ist den der Rübezahl?

Endlich gefunden! Rechts der roten Jacke gehts die Rübi hoch.

Den Leitern im Fels
Rücken wir auf den Pelz

Durch diesen Schacht gehts durch.

Mein Bruderherz im Kamin


Am Reitsteig gehts dann nach Links auf einer Art 'Autobahn': ein sehr breiter und normalerweise stark begangener Weg führt uns Richtung Carolafelsen. Bei frostig-kaltem Wetter hat man aber sogar diesen Weg für sich allein. An der nächsten größeren Kreuzung schauen wir auf die Wegweiser und gehen weiter Richtung Carolafelsen. Irgendwann geht es links hoch zum Carolafelsen und wer Lust und Laune hat, kann natürlich gerne den kleinen Abstecher zum genannten Felsen machen. Bei unserer Tour war allerdings ein größerer Baum quer über den Pfad gekippt, ausserdem wollten wir auch weiter zum nächsten Ausrufezeichen. Also weiter nach unten, bis man an eine weiteren Kreuzung kommt: Nach links geht es zur Affensteinpromenade, aber promenieren wollen wir eigentlich heute nicht. Grade weiter geht es durch die 'Wilde Hölle'. Klingt schon besser (und ist übrigens auch ein wildromantischer Pfad!), aber auch diesen Weg gehen wir heute nicht. Wir entscheiden uns für den Weg nach rechts, schliesslich ist dieser nicht ausgeschildert! Und nicht ausgeschilderte Wege sind meist die... ähh... spannendsten.


Unser Weg schlängelt sich nun eine Weile immer entlang von Felsen mit gelegentlichen Ausblicken auf das Kirnitzschtal weiter unserem nächsten Teilziel entgegen: Es geht nach links abwärts zur Zwillingsstiege. Herr Böhm würde sagen: Ausrufezeichen! Zwar ist der Weg (wenn ich mich richtig erinnere) nicht ausgeschildert, aber mit der Wanderkarte ists kein Problem. Und es geht wieder ans 'Klettern'. Mal senkrecht die Wand herunter (natürlich mit Steighilfen, wirklich Klettern kann ich nämlich nicht), mal einen kleinen Absatz nach oben durch einen gar finstren Spalt und dann wieder am kühlen Fels entlang kommen wir schliesslich unten an. Ich kenne die Zwillingstiege auch schon im Aufstieg, da ich diese schon eineinhalb-mal nach oben gestiegen bin. Wo der halbe Aufstieg herkommt, sei an dieser Stelle nicht verraten, aber ich denke, es gibt da draussen irgendwo zwei (un-)erschrockene Ex-Ziddels, die Bescheid wissen.


Der Einstieg zur Häntzschelstiege
Der Weg von der Zwillingststiege weg führt uns nur ein paar wenige Meter weiter, als wir vor einem (von uns erwartetem) Schild stehen: Wir haben die Häntzschelstiege (und damit ein drittes mal Ausrufezeichen) erreicht. Das Schild weist uns darauf hin, das der Aufstieg nur für Geübte gedacht ist (dafür halten wir uns einfach mal) und gibt uns noch ein paar andere Sicherheitshinweise. Ich frage mich kurz, warum wir erst herabgestiegen sind, wenns eh gleich wieder hoch geht. Natürlich fällt mir die Antwort sofort ein: Weil es Spass macht!

Erstmal geht es noch ein paar Meter weiter, bis wir endlich am eigentlichen Einstieg angelangt sind. Neues Metall blinkert und blitz uns entgegen, da die Häntzschelstiegensteighilfen frisch saniert sind. Als erstes geht es senkrecht den Felsen hoch. Die nächste Passage kostet Überwindung: Aussen am Felsen entlang, unten nur wenige Zentimeter zum stehen und gehen, oben nur ein wackeliges (aber natürlich sicheres, weil Stahl-) Seil!

Wackeliges Seil + Felssims.

Der Kugelsitzer.
Nachdem die erste Häntzschel-Kletterei geschafft ist gibt es kurzfristig bei mir zittrige Beine: Um ein besonders 'wagemutiges' Foto nach unten zu schiessen, besteigt hier mein Fotograf und Bruder eine wackelige Felskugel und rutscht dabei soweit wie möglich an den 'Abgrund'. Das Foto ist zwar ganz nett geworden, wird aber niemals meinen 'Schrecken' gutmachen, den ich beim Anblick meines Bruders durchlebte.

Zwischendurch mal bequeme Leitern

Noch ein Blick zurück und hinunter.

Weiter gehts: noch ein bisschen Klettern und über Felsen steigen und wir haben die erste Hälfte der Häntzschelstiege hinter uns. Wer möchte, kann hier einen 'normalen' Pfad weitergehen, wir steigen selbstverständlich auch noch die zweite Hälfte der Häntzschelstiege.
Mit Blitzlicht wirds auch im dunkelsten Schacht hell...

Fragt sich nur, ob es in diesem Fall nicht besser dunkel geblieben wäre.


Hoch die Wand!




Mein Bruder kurz vorm Absatz. Der erschrockene Blick
resultiert nicht aus dem Blitzlicht, sondern aus meinem Anblick...
Ein schmaler Spalt führt uns ins felsige Dunkel. Weit führt uns dieser Gang jedoch nicht... zumindest nicht waagerecht! Es geht mal wieder die Wand nach oben. Auch hier sanierte Steighilfen aus stabilem Metall, ich kenne diesen Teil der Häntzschelstiege auch noch mit Holzleitern. Im Kamin gibts dann einen Absatz, wo man durch einen weiteren Spalt einen Blick nach draussen in die Natur werfen kann. Weiter gehts aber im Kamin senkrecht nach oben. Puh, waren die Steighilfen früher nicht mal näher beieinander?

Zu diesem Bild geb ich lieber keienen Kommentar ab!


Schliesslich erreicht man das obere Ende der Häntzschelstiege, welche man übrigens nur im Aufstieg gehen soll (fällt mir grade so ein ;) ). Wir befinden uns nun auf der Spitze des Langen Horns, können eine schöne Aussicht geniessen und uns über weitere gesammelte Ausrufezeichen freuen.


Blick vom Langen Horn ins Kirnitzschtal,
irgendwo zwischen den Felsen kommt man übrigens nach oben.
Der weitere Weg führt uns noch mit einem 'gewagtem' Sprung über eine Felsspalte (War da früher nicht mal ein Brett drüber?), dann gehts angenehmen Wanderpfad das Lange Horn entlang bis wir schliesslich einen Punkt erreichen, an dem wir heute schon mal waren: der Weg Richtung Carolafelsen. Wir gehen ein Stück nach links den bekannten Weg zurück, bis wir an die nächste große Kreuzung kommen und gehen dann von dort aus Richtung Zurückesteig. Der Zurückesteig selbst hat zwar keine Ausrufezeichen, ist aber trotzdem sehr schön und auch ein wenig anstrengend.
Nach diesem 'Steig' gehts ein bisschen Schlängelweg (mit der Karte orientieren) bis man an die Rotkehlchenstiege kommt. Wer will, kann auch hier wieder ins Tal hinabsteigen, wir schlängeln uns noch ein wenig weiter bis wir an unserem letzten Tagesziel sind: Die Starke Stiege. Auch diese hat wieder Ausrufezeichen, ist aber eigentlich (und meiner subjektiven Meinung nach) die leichteste von den Ausrufezeichenstiegen. An einer Stelle wirds jedoch ein wenig riskant: Das Halteseil ist mächtig aufgedrieselt und nur noch eine Stahlsehne hält dieses zusammen. Aber auch diese Risikostelle wird ohne bleibende Schäden passiert und schliesslich befinden wir uns wieder 'drunt im Tal'. Nunja, nicht ganz unten, denn bis Schmilka ists noch ein Stückchen, aber alle Ausrufezeichen haben wir (mal wieder) gemeistert und es geht von nun an nur noch relativ sanft bergab, bis wir schliesslich erst die Schmilkaer Fähre und dann den Schmilkaer Bahnhof und damit das Ende der Ausrufezeichtour erreicht haben.

Wer diese Tour mal machen möchte und noch Fragen hat, kann natürlich gerne bei mir per eMail nachfragen. Ich biete mich auch gerne als Wanderführer an.


Und falls sich jemand noch nicht ganz sicher war, ob der Typ in der roten Jacke bekloppt ist, sollte dieses letzte Bild eine Antwort geben!

^Hoch^

Letze Änderung: 05.06.2018

Zitat der Woche:

Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.


Kurt Tucholsky
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